
Heute Abend habe ich die erste öffentliche Vorführung des Films "Boomtown Beijing" besucht. Ich habe die Regisseurin Siok Siok Tan in Shanghai auf einem "Geek Dinner" kennengelernt. Wir sind beide auf der Twitter Chinalist, und so habe ich mitbekommen, dass gerade während meines Aufenthalt in Beijing ihr neuer Dokumentarfilm aufgeführt wird.
Der Film folgt "gewöhnlichen" Leuten 100 Tage vor den Olympischen Spielen. Ein Straßenkehrer, der versucht in seiner Gemeinde ein gemeinsame Aufführung zu organisieren, ein Junge, der hofft Fackelträger zu werden und noch weitern Leuten.
Der Film fängt die Stimmung die ich in den zwei Tagen die ich jetzt in Beijing bin erlebt habe perfekt ein. Den Stolz der Leute, dass die Spiele in ihrer Heimat stattfinden, und und ihr Wille und ihre Hoffnung die restliche Welt an ihrer Freude teilhaben zu lassen. Jeder der einfach so über Boykott daherschwallt, sollte sich den Film mal anschauen. Es wird mehr Gutes daraus kommen, als Gast in China an den Spielen teilzunehmen als fort zu bleiben.
Ich hatte zwei Erlebnisse, die mich darin bestätigen: Am ersten Abend bin ich an um das Olympische Gelände herumgegangen. Das Gelände selber ist noch umzäunt, aber an einer Stelle sind Leute ein- und ausgegangen. Während ich versucht habe zu verstehen, ob das für jeden auf ist, wurde ich von einem jungen Mann angesprochen, der mir ganz freundlich alles erklärt hat. Er war einer der Freiwilligen, die sich gemeldet haben, den Ausländern zu helfen. Ich bekomme die Zahlen nicht mehr zusammen, ich glaube es wurden 70.000 Freiwillige gesucht, und es haben sich eine Million gemeldet.
Abends bin ich dann noch mal zum Gelände gegangen. Die Nachtbeleuchtung ist atemberaubend und ich musste einfach Fotos machen. Während ich am auf einem Parkplatz am Knipsen war, kam ein Polizeifahrzeug angefahren. Es hielt neben mir, der Fahrer, in Polizeiuniform, stiegt aus. "Sir, can I help you?", an mich gerichtet, die Hand ausstreckt um meine Kamera zu nehmen. Geprägt durch westliche Medien war mein erster Gedanke, dass ich etwas fotografiert hatte was ich nicht sollte, und der Polizist jetzt das digitale Äquivalent zum Filmrolle rausreißen machen würde. Aber nein, weit gefehlt. Er wollte Fotos von mir machen, damit ich auch mal auf dem Bild bin. Er nahm meine Kamera und knipste ein halbes Dutzend Fotos von mir.
Diese Freundlichkeit ist herzerwärmend. Diese Leute zurückzuweisen, weil man mit ihrer Regierung nicht einverstanden ist, ist absolut daneben.
Aber zurück zur "Boomtown Beijing". Was diesen Film so interessant macht, ist der Fokus auf die "gewöhnlichen" Leute. Oft frage ich mich, was die Geschichte dieser Leute ist, denen ich auf der Straße begegne. Wie bist du in diese Stadt gekommen, wo kommst du her, was sind deine Träume? Siok Sioks Film erlaubt einen Blick auf die Geschichte und Hoffnungen dieser Leute: Eines Kindes, eine Straßenfegers, eines behinderten Athleten und zeigt einen Teil ihrer Geschichte. Der Enthusiasmus des Straßenfegers für sein Hobby, Fahnen so zu schwenken, dass sie die Olympischen Ringe formen, mag einem zwar schrullig vorkommen, aber Tan schafft es, die Träume ihrer Protagonisten so zu zeigen, dass sie eben nicht lächerlich wirken, sondern dass man sie versteht.
In einer idealen Welt könnte sich der Leser jetzt auf YouTube den Film anschauen. Leider sind wir in den Medien immer noch prädigitalen Denkmuster verhaftet, so dass es nur den Trailer zusehen gibt:
der Film klingt sehr schön. auch finde ich es schön zu hören, dass bei den kleinen leuten solch eine begeisterung herrscht. wie aber soll man das zusammenbringen mit den zynischen interessen von konzernen und weltmächten, die ja doch dahinter stecken? vielleicht ist das genau das richtige, was die einfachen leute tun - die politik ausblenden und sich ein volksfest draus machen.
AntwortenLöschenist schließlich nur ein wettkampf im sport.
Ja, du hast recht, genau das ist das richtige.
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